Deinen Schatten umarmen

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Wir leben in einer Zeit, in der sich alles so schnell verändert, dass uns manchmal der Atem stockt.

Veränderung ist gut. Wir sollen uns auch ständig verändern, leistungsfähiger, und auch persönlich kompetenter werden.

Doch was passiert mit den Dingen in uns, die langsam sind? Die, die resistent gegen Veränderung zu sein scheinen? Was passiert mit den alten Verletzungen, mit den Teilen in uns, die sich nur langsam entwickeln, die hintenbleiben?

 

Wir wissen so viel, und doch hinken wir persönlich mit so vielem hinten nach. Wie gehen wir damit um?

 

Ich spreche hier für unsere unerwünschten Seelenanteile. Sowie wir uns um die Alten und Schwachen in unserer Gesellschaft kümmern sollten, braucht auch das Schwache, Alte, Junge, nicht Leistungsfähige in uns Aufmerksamkeit. All das in uns, das nicht unseren eigenen Anforderungen und denen der Anderen entspricht.

 

Wir brauchen ein liebevolles Erforschen unserer Seele. Ein Annehmen des Unannehmbaren. Ein Zuwenden zu dem Teil, den wir automatisch ablehnen, und der oft von Anderen abgelehnt wird.

 

Was ist es in dir, dass du schwer annehmen kannst? Dass du gerne anders hättest? Wo du nicht genügst, dich nur sehr langsam entwickelst?

 

Nein warte, zuerst:

  • Ein leichtes Lächeln in den Augen – probier das in diesem Moment aus: Bring das Lächeln in die Augen und spür es. Beschreibe mit diesem Lächeln eine deiner Schattenseiten
  • Das bringt uns zur Grundhaltung: Urteilsfrei, liebevoll, ehrlich
  • Wie spürt sich diese Seite an dir im Körper an? Atme, spür den Körper, lass das Unerwünschte da sein.

Deinen Schatten umarmen ist das, was ich dir ans Herz lege. Du kannst es auf viele verschiedene Arten machen, vertrau ganz deiner Intuition. Hol dir Hilfe, wenn es dir besonders schwer fällt. Dein Schatten  wartet schon lange darauf, dass er gesehen und angenommen wird. Vielleicht transformiert er sich dann sogar. Das liegt aber an ihm, und nicht an dir.

Sei nicht so sensibel

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Es gibt immer wieder Menschen, die zu mir kommen, weil sie lernen wollen, nicht so sensibel zu sein. Ich sage ihnen dann, dass das so ist, als ob ein Schmetterling zu mir komme, und an sich arbeiten wolle, um sich in einen Elefanten zu verwandeln. Das geht eben leider nicht.

Woher kommt dieser Wunsch, ein Elefant zu sein? Eines  dieser unsagbar schönen, großen Tiere, die eine dicke Haut und ein großartiges Gedächtnis haben? Und warum ist Schmetterlingsein keine so gute Idee?

In unserer Gesellschaft wird das Starke, Laute, Große sehr geschätzt. Wir sollen viel aushalten. Belastbarkeit ist sehr gefragt. Sie ist notwendig, damit die Räder weiterlaufen.

Empfindsamkeit ist in der Liste der erwünschten Eigenschaften eher unten zu finden. Zu wissen, wie es Anderen geht, ohne sie gefragt zu haben, sehr viele Informationen aus einer Situation herauszufiltern, Details bemerken, sorgfältig arbeiten, ethische Denkweise  – alles Attribute von besonders empfindsamen Menschen- werden oft nicht als wertvoll erkannt, obwohl sie  in vielen Lebens- und Arbeitssituationen von sehr hohem Wert sind. Besonders Führungskräfte und ihre Mitarbeiter profitieren davon.

Die amerikanische Psychologin Elaine Aron hat den Begriff „Hochsensibilität“ geprägt. Sie meint, dass ungefähr 20 Prozent der Menschen, aber genauso viele der Hunde, Affen, Katzen etc. besonders sensibel sind. Das kann man sich so vorstellen, dass die Antennen dieser Lebewesen sehr fein eingestellt sind, und daher besonders viele Eindrücke aufnehmen können.

Das hat den Vorteil, schnell zu wissen wie es Anderen geht, sich tief vom Leben berühren zu lassen, offen zu sein für die schönen Dinge des Lebens, für Kunst und Natur, und vieles mehr. Natürlich gibt es auch die Kehrseite der Medaille. Zu viele Eindrücke können das Nervensystem überfordern, starke Kritik und Konflikte irritieren sehr stark, und ein Leben ohne Ruhepausen, sowie ein sinnentleertes Berufsleben  werden schneller zum bekannten Burn-out führen als bei einer nicht so sehr sensiblen Person.

Die Welt braucht sehr sensible und nicht so sensible Menschen. Wahrscheinlich ist auch die Verteilung, nämlich dass nicht so viele Menschen ganz arg sensibel sind, gut. Die, die allerdings so gestrickt sind, verdienen es, wahrgenommen und respektiert zu werden. Sie brauchen eine Menge Verständnis für sich selbst, Zeit, um sich kennenzulernen, und werden nicht darum herumkommen, ihr Leben an diese Empfindsamkeit anzupassen – in der Auswahl der Personen, mit denen sie sich umgeben, in der Berufswahl, Wohnsituation, und der Gestaltung des täglichen Lebens.

Wenn du dich jetzt fragst, ob du vielleicht zu den sehr Sensiblen gehörst, oder vielleicht eines deiner Kinder, oder dein Partner, dann gibt es einen einfachen Test, um der Sensibilität auf die Spur zukommen. Der Test ist nur eine Annäherung. Wir reden nämlich von einer Charaktereigenschaft, von der letztlich jeder selbst entscheidet, ob er sich damit identifiziert oder nicht.

Hier ein Test zum Downloaden:

http://www.psychologie-heute.de/fileadmin/fm-dam/04_Downloads/frei/Wie_sensibel_sind_Sie.pdf

Ich bin echt wütend

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Wann warst du das letzte Mal so richtig wütend und hast auf eine Art gehandelt, die sich richtig gut angefühlt hat?

Darum geht es nämlich beim Thema Wut. Eine Handlungsweise zu finden, die etwas zum Besseren wendet. Eine Situation, eine innere Befindlichkeit, eine Sichtweise.

Wenn Wut unterdrückt wird, ist das wie ein Kelomat. Fest den Deckel drauf, drinnen wird alles immer heisser, bis Dampf abgelassen werden muss, was oft gut, manchmal aber weniger konstruktiv ist.

Unterdrückte Wut schwelt dahin, und wartet nur darauf, bis es einen Grund gibt, dass sie endlich losspucken darf. Sie wartet auf irgendeinen blöden Kommentar, oder ein Ereignis, das den Ausbruch rechtfertigt. Wenn sonst nichts und niemand da ist, dann wenigstens ein unfähiger Autofahrer, da versteht doch jeder die Schimpfattacke.

Schlimmer als unterdrückte Wut, die unproportional rauskommt, ist die Wut, die auch dann noch drinnenbleibt, wenn alles gesünder wäre als den Ärger weiter in sich hineinzufressen.  Das passiert dann, wenn die Selbstkontrolle fast übermenschliche Ausmaße annimmt. Man „implodiert“ dann, ist deprimiert und blass, oder fühlt sich schuldig, wo Andere krebsrot und laut werden. Man schaut sich dann zur Draufgabe ein buddhistisches Video an, um noch ruhiger und deprimierter zu werden.

Somit gibt es keine einheitliche Lösung für den Umgang mit Wut. Menschen, die dazu neigen, deprimiert zu sein, brauchen manchmal einen Blasbalg, um eine bisschen Wind in die Glut zu bringen. Ein bissl Wut tut gut, egal ob sie den strengen ethischen Massstäben gerecht wird oder nicht. Ganz stark atmen, und die Wut im ganzen Körper verteilen lassen, bis er sich lebendig und kräftig anfühlt, und dann handeln, wäre hier die Devise.

Anders bei den wandelnden Pulverfässern – da geht es mehr darum, ein bisschen Feuer wegzunehmen.  Atmen und zulassen, dass sich die Wut im Körper verteilt, ist allerdings auch hier ein heißer Tipp. Solange ruhig atmen und Wut im Körper verteilen, bis sie warm statt heiß ist, die Ohnmacht weniger und die Rechthaberei leiser werden, und der Handlungspielraum klarer ist.

Dann wird die Wut wieder zu dem, was sie eigentlich ist – ein Motor für Veränderung,  die Beschützerin unserer Grenzen und Werte, eine Wegweiserin und Facette von Lebendigkeit.

 

Achtung: Dieser Artikel kann zu momentaner Wutentladung oder auch dem Gegenteil führen, und kann von mutigen Menschen immer wieder mal gelesen werden.

 

Ich will den Erdapfel aber nicht

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Es gibt Situationen, die sind ganz einfach schwierig. Krankheit, Geldmangel, Beziehungsprobleme, unhaltbare Zustände am Arbeitsplatz – um nur einige der unzähligen dieser Art aufzuzählen.

Manche erfordern den Mut, wegzugehen, auch wenn das bedeutet, Unsicherheit und schmerzhafte Momente in Kauf zu nehmen. Dann bleiben aber immer noch die Situationen, in denen wir nicht weggehen können oder wollen.

Oft verharren wir dann, machen irgendwie weiter, und weigern uns aber trotzdem sie zu akzpeptieren. Dann verschlingt die Situation Unmengen unserer Aufmerksamkeit und Energie.

Wir können uns das so vorstellen, wie wenn wir eine heisse Kartoffel – für meine österreichischen Freunde natürlich Erdapfel – in der Hand halten, und sehr hungrig sind. Wir schmeissen den Erdapfel (ist doch ein schönes Wort)  von einer Hand zur anderen, wollen ihn nicht loswerden, weil wir hungrig sind, aber dann doch unbedingt, weil er so heiß ist, dass wir uns die Hände verbrennen. Wenn wir einfach so weitermachen, kühlt  der Erdapfel irgendwann von selbst ab, aber wir haben viel Zeit vertan, und beschweren uns über unsere verbrannten Hände, und genießen den Erdapfel nicht, nachdem wir solange dafür kämpfen mussten, und uns dabei auch noch verletzt haben.

Da gibt es aber noch einen anderen Weg.

Wir werden ruhig, ja ganz ruhig, und noch ein bisschen ruhiger. Wir hören auf gegen den Schmerz in den Händen zu kämpfen, und bemerken, dass er uns nicht umbringt. Dieses ruhig werden, ganz egal wie schwierig, wie schmerzhaft, wie unmöglich die Situation in diesem Moment erscheinen mag, ist der Moment, in dem sich etwas zu verändern beginnt. Es ist die Abwesenheit von Beschwerde, von Beschuldigung, ein Annehmen des Unannehmbaren, das etwas in Bewegung bringt. Etwas Leises, Unauffälliges, Zartes, in uns. Die Situation weiß in diesem Moment noch nichts von der Veränderung, aber sie hat gerade jetzt begonnen.

Wir legen den Erdapfel ab, und warten, bis er auskühlt. Wir können blasen, dass es schneller geht, oder einfach da sitzen, noch ein bisschen ruhiger werden, um zu bemerken, ob es noch etwas Besseres zu tun gibt, oder ob der Zeitpunkt, um etwas zu tun, noch nicht gekommen ist.

Vielleicht sagst du jetzt, eine Krankheit, arbeitslos zu sein, einen Partner verloren zu haben, oder einen unerträglichen Chef zu haben, ist kein Erdapfel. Ich habe den Erdapfel gefragt, und er hat geantwortet, dass manche heißer, manche größer, und manche auch noch so gemein sind, auseinanderzufallen, während man sie hin und herwirft, aber sie seien alle Erdäpfel.

Also vielleicht doch ruhig werden, atmen, den Körper spüren, den Boden unter den Füssen, noch ein bisschen ruhiger werden, und dann den Erdäpfel hinlegen und betrachten.

Selbstrespekt

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Es gibt Menschen, denen geht das Wort „Selbstliebe“ irgendwie schlecht den Hals runter. Vielleicht liegt das nicht an der mangelnden Selbstliebe, sondern am geschundenen Wort „Liebe“, das so abgelutscht und missbraucht ist, dass seine eigentliche tiefe Bedeutung oft schwer empfunden werden kann, wenn man nur das Wort hört, anstatt seine Auswirkungen zu spüren.

„Selbstrespekt“ ist noch unverbraucht, und deshalb sehr geeignet, den Weg zu öffnen, um einen neuen Zugang zu sich selbst zu finden. Einen, der nicht zwischen überzogenen Forderungen, Kritikwahn, und Selbstmitleid schwankt, sondern die Möglichkeit schafft, sich selbst und somit der Welt auf Augenhöhe zu begegnen.

Workshop in Arbeit 😊

Wie eine schöne Frage ein Leben verändern kann

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Meine ältere Tochter lebt seit einem Jahr im tiefsten Bayern. Manchmal, wenn die Wirklichkeit der Menschen um sie herum zu stark wird, und ihre eigene Wahrnehmung der Wirklichkeit ganz klein, weiss ich nicht, was ich sagen soll.

 

Denn ich habe den Grossteil meines Lebens in einer österreichischen Kleinstadt verbracht. Alle um mich herum schienen zufrieden zu sein an diesem Ort, der zwischen den Bergen eingeklemmt war, so dass er kaum atmenkonnte.  Das bemerkt aber niemand ausser mir, oder vielleicht bemerkten es einige, aber ihre Lungen waren so stark, dass sie trotzdem frei atmen konnten. Meine schienen in sich zusammenzufallen. Vielleicht taten sie das auch nur deshalb, weil mich die Tatsache, dass meine Wahrnehmung so anders, so einsam war, so sehr bedrückte.

 

Nach vielen Jahren des Ringens mit mir und meiner Unfähigkeit, ihn zu lieben, spuckte mich der Ort eines Tages aus und meinte, ich sollte woanders hingehen und besser nicht zurückkehren.

 

Ich ging nach Barcelona und begann mich zu erholen, von der bedrückenden Einsamkeit des Andersseins, inmitten einer mir riesengross erscheinenden Stadt, in der alle anders waren. Da fiel ich nicht auf.

 

Langsam begann ich, meine Flügel auszubreiten, wie ein frisch geschlüpfter Schmetterling. Fliegen traute ich mich noch lange nicht.

 

Manchmal denke ich an meinen verwunschenen Kindheitsort. Nicht nur, weil meine wunderbare jüngere Tochter immer noch dort lebt. Nicht nur, wenn ich mit meinen Eltern telefoniere, die anscheinend starke Lungen besitzen. Sondern auch dann, wenn ich mich frage, ob diese Geschichte, meine Geschichte mit diesem Ort, auch anders verlaufen hätte können.

 

Vielleicht wenn ich meine Zartheit erkannt und anerkannt hätte. Die Empfindsamkeit, mit der ich all die Eigenheiten dieses Ortes und seiner Menschen in mich aufsog. Vielleicht wenn ich mich gern gehabt hätte  in meiner Andersartigkeit, und den Mut gehabt hätte, meinen Neigungen, und dem was ich schön fand, nachzugehen. Jeden Tag.

 

In dieser neuen Variante meiner Geschichte beobachte ich mich dabei, wie ich den  Blick abwende von der Enge und der Hässlichkeit, die mich so unbarmherzig zu hypnotisieren versuchen,  und mich dem Schönen zuwende, dem, das mein Herz erfreut. Da steigen sie in meiner Erinnerung auf, meine Verbündeten – die Aulandschaft, der Buchenwald, der Frühlingsduft, und die Züge, die in die nahegelegenen Städte führen.

 

Ich tauche ein in die Erinnerung und sehe, wie ich mich leiten  lasse von der Frage „Wie kann ich jeden Tag mit Freude leben“ und stelle erstaunt fest, dass sie mich mit Menschen verbindet, mit denjenigen, die seltsame Gedanken und Gefühle haben und voller Fragen sind, so wie ich. Ich sehe wie die Personen, die auf alles Antworten haben, weniger wichtig werden, mit der Landschaft verschmelzen und mich weniger stören.

 

Wahrscheinlich wäre der Ort für mich und meine Frage irgendwann einmal zu klein geworden, weil es dort draussen noch mehr Fragen gab, die auf mich warteten.

 

Das Ergebnis wäre wahrscheinlich dasselbe gewesen. Der Ort hätte mich möglicherweise nicht ausspucken müssen. Ich hätte mich, Hand in Hand mit meiner Frage, freudig an seiner Zunge abgestossen und wäre hinausgesprungen in die weite Welt. Vielleicht sogar 20 Jahre früher. Aber das Ergebnis ist nunmal nicht das, was zählt. Genauso wenig wie der Ort. Und die Vergangenheit.

 

Was zählt ist, dass ich die Frage gefunden habe. Oder sie mich. Erst später, an einem anderen Ort. Wir haben uns beide sehr, sehr lange gesucht. Sie ist jetzt schon eine Weile bei mir und ich hätte gerne, dass sie noch länger bleibt.  Weil sie mein Leben bunt werden lässt und mich glücklich macht.

 

Ich werde sie jedoch nicht festhalten. Sie reist sehr gern und bleibt nicht gerne zu lange bei einem Menschen. Ich bin gespannt, auf welche Suche ich mich dann begeben werde. Und auch darauf, wohin die Reise der schönen Frage gehen wird.  Sie hat einmal erwähnt, dass sie das tiefe Bayern interessant findet, sehr interessant sogar.

Bist du vielleicht hochsensibel?

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Bist du lautem Lärm, grellem Licht oder starken Gerüchen gegenüber sehr sensibel?

Zieht dich Schönheit an – in der Kunst, der Natur oder die Schönheit der kleinen Dingen des Lebens?

Bemerkst du blitzschnell in welcher Gemütslage sich andere Menschen befinden?

Brauchst du regelmässige Auszeiten, um zu verhindern, dass dir alles zuviel wird?

Vielleicht besitzt du den Charakterzug, der „hochsensibel“ genannt wird – ungefähr 20 % der Bevölkerung besitzen diese Veranlagung.

Ungefähr 80% meiner KlienInnen sind hochsensibel. Ich habe mich trotzdem über längere Zeit geweigert, mich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, weil ich keine Etikettierungen mag. Letztendlich gab ich nach, weil ich zugeben muss, dass mein Leben um so viel leichter verlaufen hätte können, wenn ich früher um diese meine „Beschaffenheit“ gewusst hätte. Vor allem aber habe ich gesehen, dass meine KlientInnen viel schneller lernen, wenn ich ihnen dieses Thema vorstelle. Meistens ist eine sofortige Erleichterung sichtbar und sie beginnen sogleich, sich selbst mehr zu schätzen.

Ich habe festgestellt, dass hochsensible Menschen besonders von meiner Arbeit profitieren, weil sie sinnlich ist; d.h. meine KlientInnen nutzen alle Sinne, um sich und dem Leben auf die Spur zu kommen. Berührung ist ein wunderbares Werkzeug, um sich wieder so richtig wohl im Kçorper zufühlen, die Antennen auszufahren und das Nervensystem zu beruhigen.

Auch wenn es darum geht, innere und äussere Ressourcen wiederzufinden, um mit schwierigen Situationen umzugehen, sehe ich immer wieder, dass hochsensible Menschen sehr intuitiv und schnell lernen.

Das gefürchtete „Überlastet oder Überreizt sein“, das so natürlich erscheint bei unseren superfeinen Antennen und das so gut mit dem englischem „overwhelmed“ beschrieben wird, begreifen wir als ganzkörperliches Erlebnis, mit dem wir mit unterschiedlichen Werkzeugen begegnen. Es wird Schritt für Schritt etwas, das beinflussbar wird und verliert seinen Schrecken.

Verletzlichkeit und Sensibilität werden in unserer Gesellschaft nicht sehr geschätzt. Das führt dazu, dass einige sehr sensible Menschen sich selbst ablehnen und anders zu sein versuchen; so, wie es manche andere Menschen haben wollen und wie es besser zum Umfeld zu passen scheint. Zu lernen, Verletzlichkeit und Empfindsamkeit zu erlauben, erfordert sehr viel Mut, fühlt sich aber für viele hochsensible Menschen wie heimkommen an.

Falls dich dieser Text anspricht, würde ich mich über eine Nachricht von dir freuen. Du kannst auch auf die Seite der Psychologin Elaine Aron schauen, die den Begriff „High sensitivity“ geprägt hat. http://hsperson.com/

Hochsensibel in einer pulsierenden Stadt

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Ich arbeite seit vielen Jahren mit Menschen und helfe Ihnen dabei, das Leben mit Freude zu leben, die Freude wiederzufinden oder sie nicht zu verlieren – je nach Lebenssituation.

Barcelona, meine geliebte, bunte Stadt hat viel zur Beibehaltung meiner eigenen Lebensfreude beigetragen. Vor elf Jahren kam ich von einer österreichischen Kleinstadt direkt ins Zentrum von Barcelona.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, was es bedeutete, das erste Mal mit dem Fahrrad die Calle Balmes hinunterzufahren. Abgesehen von der Todesangst, die ich ausstand, waren meine sensiblen Ohren der Geräuschkulisse kaum gewachsen.

Mir kam es auch lange so vor, als ob hier alle Menschen schreien würden, sobald mehr als zrei von ihnen versammelt waren.

Der Lärmpegel, der Rythmus der Stadt und die abertausenden visuellen Eindrücke brachten mich manchmal an der Grenze meiner Belastbarkeit, obwohl ich die Stadt eigentlich unglaublich erfrischend, bunt und lebendig fand.

Vor drei Jahren stolperte ich über den Begriff “Hochsensibilität”, der von der amerikanischen Psychologin Elaine Aron geprägt wurde. In ihrer Beschreibung der Menschen, die sie als “hochsensibel” bezeichnet, fand ich mich, meine Töchter und 80% meiner KlientInnen wieder.

Hohe Empfindsamkeit gegenüber starkem Licht, eindringlichen Gerüchen und lauten Geräuschen sind einige der von der Psychologin beschriebenen Eigenschaften von hochsensiblen Menschen.  Empathie, ein reiches Innenleben und die Vorliebe für Schönes, Natur und Kunst sind weitere Indizien für eine mögliche Hochsensibilität.  Laut Elaine Aron´s Forschung besitzen ungefähr 20% der Menschen, aber auch derselbe Prozentsatz anderer Lebewesen, diese Veranlagung,

Die Hündin meiner Tochter scheint die Bestätigung dieser Theorie zu sein. Die Dinge, die von ihr verlangt werden, versteht sie, bevor sie ausgesprochen werden und sie reagiert sofort darauf. Auf irgendeine Weise grob mit ihr umzugehen käme niemandem in den Sinn, weil sie klar zum Ausdruck bringt, dass sie damit nicht umgehen könnte.

Mit dieser für mich so neuen Information konnte ich viele Verhaltensweisen meiner KlientInnen, Töchter, FreundInnen – und nicht zuletzt auch meine eigenen – besser verstehen.

Mit einem Schlag war mir klar, warum ich immer die Erste war, die aus den belebten Bars flüchtete, obwohl es dort lustig war, warum ich immer in einer Wohnung neben einem Park gewohnt habe, und warum ich in der Natur und beim Singen aufblühte, ohne genau erklären zu können, warum eigentlich. Und auch dass ich mir manche Dinge mehr zu Herzen nahm als andere Menschen, erschien mir jetzt nicht mehr so seltsam.

In den letzten drei Jahren habe ich zu verstehen gelernt, dass Hochsensibilität ein Geschenk sein kann, wenn man lernt, damit umzugehen.

Barcelona ist ein wunderbarer Ort, auch für sehr sensible Menschen. Es gibt das “Bicing”, mit dem sich die überfüllte U-Bahn weitgehend vermeiden lässt. Naherholungsgebiete wie die “Collserola” machen es möglich, der Sinnesüberlastung der Großstadt auch ohne Auto zu entkommen. Und dann ist da ja noch das Meer gleich nebenan, um uns auf seine beruhigende Art daran zu erinnern, dass man an einem Ort wohnt, an dem andere nur Urlaub machen dürfen.

Seit einigen Jahren öffnen auch immer mehr Cafés, die zum Lesen oder einfach zum ruhigen Verweilen einladen.

Diese Oasen machen mich glücklich. Sie halten die Zeit an, und mit ihr den Stress, den Lärm, und all das, das manchmal zuviel werden kann.

Und da sitze ich dann und freue mich über die relative Stille, wenn auch nur für eine halbe Stunde. Dann bin ich wieder bereit, in den dichten Sinnesbombardierungsdschungel dort draussen einzutauchen.

Aber jetzt mal ganz ehrlich: Die Menschen hier neigen doch wirklich zum Schreien, sobald sich mehr als zwei von ihnen auf einem Fleck befinden, oder?