Ich will den Erdapfel aber nicht

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Es gibt Situationen, die sind ganz einfach schwierig. Krankheit, Geldmangel, Beziehungsprobleme, unhaltbare Zustände am Arbeitsplatz – um nur einige der unzähligen dieser Art aufzuzählen.

Manche erfordern den Mut, wegzugehen, auch wenn das bedeutet, Unsicherheit und schmerzhafte Momente in Kauf zu nehmen. Dann bleiben aber immer noch die Situationen, in denen wir nicht weggehen können oder wollen.

Oft verharren wir dann, machen irgendwie weiter, und weigern uns aber trotzdem sie zu akzpeptieren. Dann verschlingt die Situation Unmengen unserer Aufmerksamkeit und Energie.

Wir können uns das so vorstellen, wie wenn wir eine heisse Kartoffel – für meine österreichischen Freunde natürlich Erdapfel – in der Hand halten, und sehr hungrig sind. Wir schmeissen den Erdapfel (ist doch ein schönes Wort)  von einer Hand zur anderen, wollen ihn nicht loswerden, weil wir hungrig sind, aber dann doch unbedingt, weil er so heiß ist, dass wir uns die Hände verbrennen. Wenn wir einfach so weitermachen, kühlt  der Erdapfel irgendwann von selbst ab, aber wir haben viel Zeit vertan, und beschweren uns über unsere verbrannten Hände, und genießen den Erdapfel nicht, nachdem wir solange dafür kämpfen mussten, und uns dabei auch noch verletzt haben.

Da gibt es aber noch einen anderen Weg.

Wir werden ruhig, ja ganz ruhig, und noch ein bisschen ruhiger. Wir hören auf gegen den Schmerz in den Händen zu kämpfen, und bemerken, dass er uns nicht umbringt. Dieses ruhig werden, ganz egal wie schwierig, wie schmerzhaft, wie unmöglich die Situation in diesem Moment erscheinen mag, ist der Moment, in dem sich etwas zu verändern beginnt. Es ist die Abwesenheit von Beschwerde, von Beschuldigung, ein Annehmen des Unannehmbaren, das etwas in Bewegung bringt. Etwas Leises, Unauffälliges, Zartes, in uns. Die Situation weiß in diesem Moment noch nichts von der Veränderung, aber sie hat gerade jetzt begonnen.

Wir legen den Erdapfel ab, und warten, bis er auskühlt. Wir können blasen, dass es schneller geht, oder einfach da sitzen, noch ein bisschen ruhiger werden, um zu bemerken, ob es noch etwas Besseres zu tun gibt, oder ob der Zeitpunkt, um etwas zu tun, noch nicht gekommen ist.

Vielleicht sagst du jetzt, eine Krankheit, arbeitslos zu sein, einen Partner verloren zu haben, oder einen unerträglichen Chef zu haben, ist kein Erdapfel. Ich habe den Erdapfel gefragt, und er hat geantwortet, dass manche heißer, manche größer, und manche auch noch so gemein sind, auseinanderzufallen, während man sie hin und herwirft, aber sie seien alle Erdäpfel.

Also vielleicht doch ruhig werden, atmen, den Körper spüren, den Boden unter den Füssen, noch ein bisschen ruhiger werden, und dann den Erdäpfel hinlegen und betrachten.

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