Ich bin echt wütend

faust (1)

Wann warst du das letzte Mal so richtig wütend und hast auf eine Art gehandelt, die sich richtig gut angefühlt hat?

Darum geht es nämlich beim Thema Wut. Eine Handlungsweise zu finden, die etwas zum Besseren wendet. Eine Situation, eine innere Befindlichkeit, eine Sichtweise.

Wenn Wut unterdrückt wird, ist das wie ein Kelomat. Fest den Deckel drauf, drinnen wird alles immer heisser, bis Dampf abgelassen werden muss, was oft gut, manchmal aber weniger konstruktiv ist.

Unterdrückte Wut schwelt dahin, und wartet nur darauf, bis es einen Grund gibt, dass sie endlich losspucken darf. Sie wartet auf irgendeinen blöden Kommentar, oder ein Ereignis, das den Ausbruch rechtfertigt. Wenn sonst nichts und niemand da ist, dann wenigstens ein unfähiger Autofahrer, da versteht doch jeder die Schimpfattacke.

Schlimmer als unterdrückte Wut, die unproportional rauskommt, ist die Wut, die auch dann noch drinnenbleibt, wenn alles gesünder wäre als den Ärger weiter in sich hineinzufressen.  Das passiert dann, wenn die Selbstkontrolle fast übermenschliche Ausmaße annimmt. Man „implodiert“ dann, ist deprimiert und blass, oder fühlt sich schuldig, wo Andere krebsrot und laut werden. Man schaut sich dann zur Draufgabe ein buddhistisches Video an, um noch ruhiger und deprimierter zu werden.

Somit gibt es keine einheitliche Lösung für den Umgang mit Wut. Menschen, die dazu neigen, deprimiert zu sein, brauchen manchmal einen Blasbalg, um eine bisschen Wind in die Glut zu bringen. Ein bissl Wut tut gut, egal ob sie den strengen ethischen Massstäben gerecht wird oder nicht. Ganz stark atmen, und die Wut im ganzen Körper verteilen lassen, bis er sich lebendig und kräftig anfühlt, und dann handeln, wäre hier die Devise.

Anders bei den wandelnden Pulverfässern – da geht es mehr darum, ein bisschen Feuer wegzunehmen.  Atmen und zulassen, dass sich die Wut im Körper verteilt, ist allerdings auch hier ein heißer Tipp. Solange ruhig atmen und Wut im Körper verteilen, bis sie warm statt heiß ist, die Ohnmacht weniger und die Rechthaberei leiser werden, und der Handlungspielraum klarer ist.

Dann wird die Wut wieder zu dem, was sie eigentlich ist – ein Motor für Veränderung,  die Beschützerin unserer Grenzen und Werte, eine Wegweiserin und Facette von Lebendigkeit.

 

Achtung: Dieser Artikel kann zu momentaner Wutentladung oder auch dem Gegenteil führen, und kann von mutigen Menschen immer wieder mal gelesen werden.

 

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