Sei nicht so sensibel

mein esel

Es gibt immer wieder Menschen, die zu mir kommen, weil sie lernen wollen, nicht so sensibel zu sein. Ich sage ihnen dann, dass das so ist, als ob ein Schmetterling zu mir komme, und an sich arbeiten wolle, um sich in einen Elefanten zu verwandeln. Das geht eben leider nicht.

Woher kommt dieser Wunsch, ein Elefant zu sein? Eines  dieser unsagbar schönen, großen Tiere, die eine dicke Haut und ein großartiges Gedächtnis haben? Und warum ist Schmetterlingsein keine so gute Idee?

In unserer Gesellschaft wird das Starke, Laute, Große sehr geschätzt. Wir sollen viel aushalten. Belastbarkeit ist sehr gefragt. Sie ist notwendig, damit die Räder weiterlaufen.

Empfindsamkeit ist in der Liste der erwünschten Eigenschaften eher unten zu finden. Zu wissen, wie es Anderen geht, ohne sie gefragt zu haben, sehr viele Informationen aus einer Situation herauszufiltern, Details bemerken, sorgfältig arbeiten, ethische Denkweise  – alles Attribute von besonders empfindsamen Menschen- werden oft nicht als wertvoll erkannt, obwohl sie  in vielen Lebens- und Arbeitssituationen von sehr hohem Wert sind. Besonders Führungskräfte und ihre Mitarbeiter profitieren davon.

Die amerikanische Psychologin Elaine Aron hat den Begriff „Hochsensibilität“ geprägt. Sie meint, dass ungefähr 20 Prozent der Menschen, aber genauso viele der Hunde, Affen, Katzen etc. besonders sensibel sind. Das kann man sich so vorstellen, dass die Antennen dieser Lebewesen sehr fein eingestellt sind, und daher besonders viele Eindrücke aufnehmen können.

Das hat den Vorteil, schnell zu wissen wie es Anderen geht, sich tief vom Leben berühren zu lassen, offen zu sein für die schönen Dinge des Lebens, für Kunst und Natur, und vieles mehr. Natürlich gibt es auch die Kehrseite der Medaille. Zu viele Eindrücke können das Nervensystem überfordern, starke Kritik und Konflikte irritieren sehr stark, und ein Leben ohne Ruhepausen, sowie ein sinnentleertes Berufsleben  werden schneller zum bekannten Burn-out führen als bei einer nicht so sehr sensiblen Person.

Die Welt braucht sehr sensible und nicht so sensible Menschen. Wahrscheinlich ist auch die Verteilung, nämlich dass nicht so viele Menschen ganz arg sensibel sind, gut. Die, die allerdings so gestrickt sind, verdienen es, wahrgenommen und respektiert zu werden. Sie brauchen eine Menge Verständnis für sich selbst, Zeit, um sich kennenzulernen, und werden nicht darum herumkommen, ihr Leben an diese Empfindsamkeit anzupassen – in der Auswahl der Personen, mit denen sie sich umgeben, in der Berufswahl, Wohnsituation, und der Gestaltung des täglichen Lebens.

Wenn du dich jetzt fragst, ob du vielleicht zu den sehr Sensiblen gehörst, oder vielleicht eines deiner Kinder, oder dein Partner, dann gibt es einen einfachen Test, um der Sensibilität auf die Spur zukommen. Der Test ist nur eine Annäherung. Wir reden nämlich von einer Charaktereigenschaft, von der letztlich jeder selbst entscheidet, ob er sich damit identifiziert oder nicht.

Hier ein Test zum Downloaden:

http://www.psychologie-heute.de/fileadmin/fm-dam/04_Downloads/frei/Wie_sensibel_sind_Sie.pdf

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